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The Nighttrain

Ich hatte da ein Lied im Kopf dessen Text ?ber einen Nachtzug ging. Es war aber wohl das falsche, und auch den Text kriege ich nicht mehr zusammen. Das Thema bleibt trotzdem das selbe.

Ich habe wieder die unglaublich dumme Idee gehabt mit dem Nachtzug zu fahren.
Ich hatte das schon mal ausprobiert, und es f?r au?erordentlich ungem?tlich gehalten. Trotzdem habe ich mich von meinen Eltern ?berreden lassen nicht den Bus zu nehmen, und dadurch Massenkarambolagen, Glatteis, einschlafenden Busfahrern, explodierenden Tanklastwagen und anderen Reiseunp?sslichkeiten zu entgehen.
Also stieg ich gestern Abend in einen Nachtzug und begab mich auf die Suche nach meinem Liegeplatz . Trotz meiner ausdr?cklichen Anfrage hat mich die nette Bahnfahrkartenfachverk?uferin am Bahnhof in ein Sitzabteil gesteckt. Dumme .........
Auch der Schaffner konnte mir, trotz James-Bondschen Bestechungsversuch, im ?berf?llten Zug keine Liege besorgen. Schade!
Normalerweise macht es mir nichts aus mit 5 Unbekannten eng gekuschelt durch die Nacht zu d?sen. Da mein Ziel aber ausnahmsweise nicht der Weg war, wollte ich mich ?ber die baldige Intimit?t mit meinen Mitreisenden nicht recht freuen. Zumal Mutter mich telefonisch schon ermahnt hatte ausgeruht aus dem Zug zu steigen.....
Die ersten Mitreisenden stiegen hinzu. Ein P?rchen. Sie setzten sich hin, steckten sich gegenseitig Essen zu, und schliefen ein .
Ich habe nie gelernt im Sitzen zu schlafen, so war ich auch der einzige der nicht geweckt wurde als sich ein m?der Araber und ein Vater mit seiner Tochter nach und nach zu uns gesellten.
Der Vater, ein 120kg Bulle, setzte sich genau mir gegen?ber. Danke auch, meine Beinfreiheit schrumpfte damit auf unter Null. Seine Tochter ein ca 16 j?hriges M?del, setzte sich dem Araber gegen?ber und zog dann die Beine ein.
Beide hatten Kopfh?rer im Ohr und haben die ganze Reise ?ber nicht ein Wort gewechselt.
Das Abteil endlich voll, rauschte der Zug durch die Nacht. Hei?e und stickige Luft f?llte den ganzen Raum aus. Vom Flurgang zog abgestandener Rauch hinein und gab dem ganzen feuchten Milieu noch eine verdorbene Atmosph?re. Die Vorh?nge schlossen nicht richtig und von au?en glubschten immer neue Leute hinein in der Hoffnung, doch noch einen Platz zu ergattern. Der dicke Schaffner mit Kotleten und schwei?iger Stirn knipste in periodischen Abst?nden das Licht in unserem Abteil an, um sich zu vergewissern, da? wir alle noch da w?ren, und sich dann daf?r zu entschuldigen. Die pflichtbewussten Z?llner l?sten irgendwann den dicken Schaffner ab. Sie entschuldigten sich nicht. Die Z?llner rochen nach Frischluft und Schnee.
Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und fing an durch den Zug zu wandern, nur um von einem kleinen Wicht in Liegewagenuniform darauf hingewiesen zu werden, da? der Gang keine Promenade w?re, und ich doch bitte zu meinem billigen Sitzplatz zur?ckkehren sollte.
Ich wollte ihm eigendlich 5? f?r eine Flasche Wasser geben, w?nschte ihn aber laut und deutlich zum Teufel. Er erwiderte nicht einmal.
So zw?ngte ich mich, durch funzelig fackernd ausgeleuchtete G?nge, an rauchenden verbrauchten 70 j?hrigen S?dl?ndern vorbei in mein kuschelig klebriges Abteil zur?ck. Mein Sitznachbar hatte unterdessen angefangen zu schnarchen. Ver?rgert steckte ich mir meine Kopfh?rer ins Ohr suchte zu meiner Stimmung passende Musik und versuchte dennoch zu schlafen. Beine gespreizt, Kopf auf die Hand. Ungem?tlich! Ebenso ungem?tlich und unm?glich wie mit ausgestreckten Beinen und Kopf gegen die Scheibe. Nach 25 Positionswecheln, die mir nur auf vielf?ltigste Weise die Ungem?tlichkeit des Zufahrens aufzeigten gab ich auf, setzte mich grade hin und fing an die Schl?fer anzustarren.

Das P?rchen war niedlich. Beide hatten die F??e unter den Po des Partners gesteckt. Sie, wahrscheinlich P?dagogin oder so etwas, hatte Lachf?ltchen um die Augen. Sie war so Farbig unscheinbar gekleidet, wie man es oft bei Lehrenden sieht. Ich wei? auch nicht wie die, trotz Farbe und ausgefallenen Stoffen, so in der Menge untergehen. Ich hatte mal eine Englischlehrerin, die trug immer einen neont?rkisfarbenen Pulli, der jede Ampelgr?nphase ?berstrahlt h?tte. Trotzdem geh?rt sie zu den farblosesten Personen die mir in den Sinn kommen.
Er sah aus wie ein gutgelaunter Angestellter, mit dicken runden glattrasierten B?ckchen. Der B?rgertraum eines Angestellten. Einer von der hilfsbereiten Sorte, die Dienst am B?rger wirklich ernst nehmen, und die von den anderen miesen Kaffeemaden im ?ffendlichen Dienst aus Prinzip gemobbt werden.

Der Araber war recht pragmatisch, er nahm nicht mal die Jacke ab, sondern zog seine, Ich bin cool, Strickm?tze tiefer ins Gesicht und schlief. Total bewundernswert fand ich, da? er sich nirgendwo anlehnen musste. Er schlief freischwebend im Sitz. Wird man durch Beten im Sitzen, wie es Muslime praktizieren, f?r eine solche Notsituation trainiert?
Wie bei uns schl?ft der eine oder andere bestimmt w?hrend der Messe ein, blo? gibt es in der Moschee keine B?nke.

Der Vater und Seine Tochter sahen beide ziemlich Modebewusst aus. Die Tochter trug irgendetwas schulterfreies, und um sich zu w?rmen einen Strickponcho mit mehr L?chern als Stoff. Hin und wieder blinkte durch die L?cher das Display eines Handys auf. Bauchfrei war sie also auch. Ein sch?nes M?dchen, da? mit 25 anfangen wird auseinanderzugehen.
Im Schlaf vibrierten das Doppelkinn und die Tr?nens?cke vom Vater mit der Schnarchfrequenz. Schade, da? ich keine Kamera dabeihatte.

So long
24.12.05 00:05
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Nirneve / Website (3.1.06 01:22)
Obwohl Zugfahren doof ist, kanns manchmal auch interessant sein



Nirneve / Website (3.1.06 01:28)
zumindest im nachhinein

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